Nina Horbach im Porträt

 

"Es macht auch Spaß!"

Nina Horbach, Partnerin bei Schalast Rechtsanwälte Notare, im Interview über ihre Stellung als Partnerin in einer mittelständischen Kanzlei, die notwendigen Eigenschaften als Notarin und die Bedeutung von Frauen-Netzwerken.

Nina, Du bist als erfahrene Partnerin und Notarin bei Schalast Rechtsanwälte Notare sowohl als Notarin als auch als Anwältin tätig. Wie sehr unterscheiden sich die beiden Tätigkeiten in der Praxis voneinander?

Komplett in der Tätigkeit, als Notarin bin ich allen Parteien der Urkunde gleich zu absoluter Neutralität verpflichtet - als Anwältin verfolge ich einzig und allein die Interessen meiner Mandanten.

Mein fachliches Wissen aus der anwaltlichen Tätigkeit hilft natürlich immens bei der Erstellung der Urkunden.

Wann und wieso hast Du Dich dazu entschieden Notarin zu werden?

Ich habe von Beginn meiner Karriere in Kanzleien gearbeitet, in welchen das Notariat eine große Rolle spielte. Ich hatte großes Interesse an dem Thema, und bin daher auch lange vor meiner Ernennung zur Notarin im Jahre 2011 im Notariat tätig gewesen.

Welche Eigenschaften sollte man Deines Erachtens mitbringen, um Notarin zu werden?

Erfahrung im Anwaltsberuf, Interesse an fast allen Rechtsgebieten und Fortbildungen, Geduld, große Sorgfältigkeit, eine große Neigung zum Umgang mit Menschen, Empathie und schnelle Auffassungsgabe.

Weiterhin die Flexibilität, sowohl große Unternehmenstransaktionen - möglichst auch in Englisch - beurkunden und vollziehen zu können.  Aber auch die Fähigkeit und die Neigung, Privatpersonen zu beraten und aufzuklären bei Testamenten, Eheverträgen und auch bei Immobilienkäufen. Es bedarf des Verständnisses für die Situation des Einzelfalles und der Mandanten.

Schalast Rechtsanwälte Notare ist eine mittelständische Kanzlei mit Büros in Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg. Was kennzeichnet Deiner Meinung nach die Arbeit als Partnerin in einer mittelständischen Kanzlei?

Flachere Hierarchien, die Übernahme von Management-Aufgaben und Mitsteuern können - dies ist als Partnerin in Großkanzleien meines Erachtens abstrahierter. In mittelständischen Kanzleien spielt das Gender insofern keine Rolle, als es keine "Quoten" gibt, sondern die Anwältin sich durch ihr Können und ihre Persönlichkeit durchsetzen muss/darf.

Wir hoffen, dass die Zahl der Partnerinnen unserer Kanzlei in Zukunft ständig wachsen wird!

Neben Deiner Position als Partnerin bei Schalast Rechtsanwälte Notare bist Du u.a. Aufsichtsrätin bei Bionorica SE, einem Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, den man u.a. für sein Produkt Sinupret kennt. Wie kam es dazu?

Ich habe mich über die Tätigkeit des AR schlau gemacht und war vorbereitet, als ich von einem Bankvorstand in Frankfurt empfohlen wurde. Der Aufsichtsratsvorsitzende und das Unternehmen wollten gern ein weibliches Mitglied. Es ist eine wunderbare Aufgabe.

 

 

Als Partnerin, Notarin und Aufsichtsrätin bist Du es gewohnt, Dich in männlich geprägten Umfeldern zu bewegen. Fällt es Dir im Alltag noch auf, dass Du Dich oftmals als einzige Frau unter Männern bewegst?

Nicht wirklich - ich nehme das Umfeld, wie es ist und setze meine Stärken ein. Weil diese zumindest zum Teil anders sind als bei Männern, tut das der männlich dominierten Konstellation auch ganz gut.

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir mit Respekt und Höflichkeit entgegengetreten wird.

Wieso, glaubst Du, gibt es so wenige Frauen in allen drei Bereichen?

Mangelndes Selbstvertrauen, mangelnde Akzeptanz durch die Entscheider und zu wenig Flexibilität in den Arbeitsbedingungen,  Mangel an Zeiteinsatz und Durchhaltevermögen - und Fortune, welches immer benötigt wird, ist nicht beeinflussbar! Es gehört auch Liebe zu dem Beruf dazu und Disziplin, es kann nicht immer Spaß machen.

Wie habt Ihr den Familienalltag mit Kindern organisiert, bevor diese auf das Erwachsenenalter zugingen??

Ich kann gut organisieren und hatte großes Glück mit der Betreuung! Das Modell, bei welchem auch der Mann unterstützt, hat sich nicht angeboten. Unser Au Pair Mädchen und späteres Kindermädchen war wie ein Familienmitglied und das Angebot der Schulen mit Betreuung habe ich immer sehr geschätzt. Es geht!

Hat für Dich dabei eine Rolle gespielt, dass die Frauen in Deiner Familie üblicherweise Beruf und Familie miteinander vereinbart haben?

Definitiv. Meine Mutter, eine Unternehmerin, war und ist mein größtes Vorbild! Sie gründete ihr Unternehmen erst, als ich 18 Jahre alt war. Und entwickelte sich zu einer unglaublich modernen Frau. Das können alle Frauen.

 

Was spiegeln Dir Deine Kinder heute, wenn es um das Thema Vereinbarkeit von Familie und Karriere geht?

Diese Vereinbarkeit wird als selbstverständlich gesehen - allerdings stellen meine Kinder sich eine echte life work balance vor.

Als Mitglied bei ZONTA setzt Du Dich für die Rechte und verbesserte Lebenssituationen von anderen Frauen ein. Hattest Du selbst Unterstützerinnen im Verlauf Deiner Karriere?

Meine Mutter! Interessanterweise gab es niemanden in meinem beruflichen Umfeld. Dies gilt es dringend zu ändern!

Welche Rolle kommt internationalen Frauen-Netzwerken wie ZONTA in Deinen Augen zu, wenn es um die berufliche Entwicklung von Frauen geht?

Diese sind Elementar wichtig - das Selbstverständnis muss durch Aufklärung und Bildung unbedingt geschaffen werden für jede junge Frau, so dass sie absolut dieselben Chancen bereits hat oder sich dafür einsetzen kann wie jeder junge Mann.

Haben sich die Umstände für karriereinteressierte Juristinnen seit Deinem Berufseinstieg verändert? Falls ja, wie?

Signifikant im Notariat: Die Hälfte der neu zugelassenen Notare in Frankfurt sind weiblich!!!

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

 

 Frau Weber Rey. Sie war für mich als junge Anwältin - ich stamme aus Königstein - ein absoluter Star. Und natürlich die amerikanische Richterin Ruth Bader Ginsburg. Aber sie wird ja bereits wie ein Rockstar gefeiert! Ich empfehle jeder Juristin, sich die Dokumentation über sie anzuschauen: Ein Leben für die Gerechtigkeit. Unglaublich inspirierend.

Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast!

Frankfurt, 20. Januar 2019. Frau Horbach hat die Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen stellte Nadja Harraschain.

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