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Dr. Hilke Schapp im Porträt 

 

"Sucht nach einer Tätigkeit, die Euch wirklich Spaß macht!"

Dr. Hilke Schapp, Referatsleitung Vertrieb beim Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen der Freien und Hansestadt Hamburg, über ihre Begeisterung für das Immobilien- und Erbbaurecht, den Wechsel von der Großkanzlei in den Öffentlichen Dienst sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf..

Hilke, Du bist Referatsleitung im Vertrieb beim Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH). Wie sieht Dein beruflicher Alltag dort aus?

Ich leite ein Team, das gewerbliche Grundstücke der FHH verkauft bzw. Erbbaurechte an diesen Flächen bestellt. Darunter kann neben dem klassischen Bürogebäude, dem Produktions- und Logistikgebäude auch mal ein Fußballstadion, Theater, Museum oder Krankenhaus fallen.

 

Zu den Aufgaben des Vertriebs gehört auch die Durchführung des Auswahlverfahrens, wenn nicht ausnahmsweise ein besonderer Grund für eine Direktvergabe vorliegt. Zu meinem Team gehören fünf Kolleg*innen, die Kauf- bzw. Erbbaurechtsverträge vorbereiten, verhandeln und beurkunden sowie die Ausschreibungen vorbereiten und durchführen. Zwei weitere Kolleginnen sind für die Vertragsabwicklung und die Überprüfung der Einhaltung der Vertragspflichten zuständig. Außerdem haben wir noch einen Syndikusanwalt in unserem Team, der uns und die Abteilungsleitung bei rechtlichen Fragestellungen berät und uns bei der Weiterentwicklung unserer Musterverträge unterstützt.

Jetzt zu meinem Alltag: Mein Alltag ist ein riesiger, bunter Blumenstrauß und entwickelt sich eigentlich nie so wie ich es mir morgens vorstelle. Meine Kernaufgabe ist grundsätzlich die Freigabe der Arbeitsergebnisse und Meilensteine meines Teams, vor allem im Zusammenhang mit den Grundstücksverträgen und Ausschreibungsverfahren. Bei größeren Projekten übernehme ich oft selbst die Verhandlungsführung. Für die Umsetzung eines Projekts sind viele Abstimmungen mit anderen Behörden erforderlich, vor allem mit den unterschiedlichen Bezirken, der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation sowie der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen.

 

Neben diesen Aufgaben, die wahrscheinlich auch kommunale Liegenschaftsämter übernehmen, ist mein Alltag durch Aufgaben geprägt, die in Flächenstaaten wohl eher bei den Landesministerien liegen: Der LIG wird grundsätzlich bei bodenpolitischen Fragestellungen des Senats eingebunden. Wir erstellen Bürgerschaftsdrucksachen, geben Stellungnahmen zu Bürgerschaftsdrucksachen anderer Behörden und Gesetzesentwürfen ab und beantworten Presse- sowie parlamentarische Anfragen. Aktuell haben wir die Federführung für ein bürgerschaftliches Ersuchen übernommen, mit dem der Senat beauftragt wurde, sich auf Bundesebene für die Modernisierung des Erbbaurechtsgesetzes einzusetzen. Einen entsprechenden Antrag für den Bundesrat bereiten wir gerade vor.

Nach dem Abschluss Deiner juristischen Ausbildung wolltest Du eigentlich Richterin werden. Wie kam es dazu, dass Du dennoch den Berufseinstieg als Rechtsanwältin gewagt hast?

 

Ich wollte vor dem Eintritt in den Staatsdienst erst noch ein paar Jahre Berufserfahrung in einem anderen juristischen Beruf sammeln. Dann bin ich eher zufällig in einer Großkanzlei gelandet – Freunde meines Bruders hatten von dem Immobilien-Team bei Freshfields geschwärmt. Und dann habe ich den ursprünglichen Berufswunsch aus den Augen verloren – vor allem über die Begeisterung für das Immobilienrecht.

Nach einigen Jahren als Rechtsanwältin bist Du von der Großkanzlei in eine kleinere Kanzlei gewechselt. Wo siehst Du die wesentlichen Unterschiede beider Arbeitgeber?

Für Berufsanfänger*innen ist es aus meiner Sicht immer wichtig, direkt Kontakt zu Mandant*innen zu haben und nicht nur im "Backoffice" zu sitzen. Ich hatte das Glück, dass bei meinem Berufseinstieg schon die jüngsten Associates ins kalte Wasser geworfen wurden und direkt Mandate übernehmen durften – natürlich in Begleitung der zuständigen Partner*innen. In kleinen Einheiten ist dies oft schwieriger, weil die Mandant*innen oft erwarten, von erfahrenen Partner*innen beraten zu werden. Für Berufsanfänger*innen ist es dann wichtig, dass sie von den Partner*innen mitgenommen werden. Aber klar: in Großkanzleien kann es passieren, dass man nur im Maschinenraum sitzt und nichts anderes als Due Diligence macht.

Sodann hast Du Deine drei Kinder bekommen. Wie hast Du den Alltag mit Familie und Beruf organisiert?

In den ersten Jahren habe ich meine Arbeitszeit reduziert und konnte mich nachmittags um meine Kinder kümmern. Bei der FHH gibt es so flexible Arbeitszeiten, dass ich schon vor fünf Jahren wieder auf Vollzeit aufstocken konnte. Ich nutze die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und starte sehr früh. Ein- bis zweimal in der Woche haben wir nachmittags eine/n Kindersitter/in.

Im Jahr 2017 bist Du in den Öffentlichen Dienst gewechselt. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Eher zufällig. Als Hamburgerin und Immobilienrechtlerin hatte ich schon immer ein Interesse an den großen Immobilienprojekten der FHH. Ich bin zufällig auf eine Stellenausschreibung des LIG gestoßen und habe mich ohne ernsthafte Wechselabsichten beworben. Das Vorstellungsgespräch wollte ich eigentlich absagen, aber eine Freundin hat mich überredet, doch hinzugehen. 

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Wie unterscheidet sich die Tätigkeit als Rechtsanwältin zu der als Juristin im Öffentlichen Dienst?

Bis zu meinem Wechsel in den Vertrieb (2022) habe ich im Justitiariat des LIG gearbeitet. Die Tätigkeit dort ähnelt der anwaltlichen Tätigkeit schon sehr. Der Unterschied:  Als Jurist*in im Justitiariat hat man – wie ein(e) Unternehmensjurist*in – nur eine(n) Mandant*in und ist durch die Nähe oft viel stärker in unternehmerische, wirtschaftliche oder politische Zusammenhänge eingebunden. Ein Unterschied ist natürlich auch, dass die Jurist*innen im öffentlichen Dienst keine abrechenbaren Stunden aufschreiben – ich muss zugeben, dass ich das schon als Befreiung empfunden habe.

 

Seit 2022 habe ich eine Führungsaufgabe im LIG übernommen. Auch wenn meine Arbeit immer noch fachlich und juristisch geprägt ist, trage ich jetzt die Verantwortung für das große Ganze. Das heißt: Ich trage die Verantwortung dafür, dass Projekte erfolgreich abgeschlossen werden können. Dafür müssen Prozesse gut strukturiert und Aufgaben gut verteilt sein. Ich würde meine Tätigkeit daher eher mit einer juristisch geprägten Managementaufgabe beschreiben.

Du bist seit 2023 zudem Vorständin des Deutschen Erbbaurechtsverband e. V.  Wie bist Du dazu gekommen und was sind dort Deine Aufgaben?

 

Die FHH ist schon länger Mitglied im Deutschen Erbbaurechtsverband e.V., mit dem ich aufgrund der bodenpolitischen Ausrichtung der FHH immer wieder Berührungspunkte hatte. Im Vorstand fehlte bisher ein Sprachrohr für die kommunalen Erbbaurechtsgeber*innen. Diese Funktion habe ich übernommen. Zudem übernehme ich auch Anfragen insbesondere von Erbbaurechtsgeber*innen aus dem kommunalen Bereich.

Organisierst Du Deinen Alltag mit Beruf und Familie heute anders, als damals als Rechtsanwältin?

Nein, eigentlich nicht. Meine Kinder (13, 11 und 7 Jahre) sind natürlich schon sehr viel selbständiger geworden und gehen z.B. mittlerweile alleine zur Schule und die Größeren zu ihren Freunden und Hobbys – das macht den Alltag schon deutlich entspannter.

Welche Tipps würdest Du jungen, berufstätigen Müttern geben?

 

Schwierig – die Vereinbarung von erfüllendem Job und Familie ist wirklich eine riesige Aufgabe, vor allem, wenn die Kinder noch klein sind. Es hilft auf jeden Fall, wenn man einen Beruf gefunden hat, der einem wirklich Spaß macht. Und generell würde es natürlich helfen, wenn die Care-Arbeit gerecht zwischen den Elternteilen aufgeteilt wird – das ist mir allerdings nicht ganz gelungen.

Wie schaffst Du es, den Kopf freizubekommen?

 

Eigentlich schon der Wechsel zwischen den beiden Welten, die ja unterschiedlicher nicht sein können. Bei aller Anstrengung empfinde ich das auch als großes Geschenk, dass man als berufstätige Mutter beide Rollen einnehmen kann. Zum Runterkommen helfen mir Yoga, Freund*innen und Indie-Konzerte.

 

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass Du sie für breaking.through nominieren würden? Wieso?

 

Dr. Claudia Jehle: Partnerin bei Neuwerk und Anwältin im Immobilienwirtschaftsrecht, die für jede vertrackte Situation eine pragmatische Lösung findet. Ein Mensch mit unendlich positiver Energie und dem Mut, den eigenen Weg zu gehen. Ich habe Claudia bei Freshfields kennengelernt.

 

Vielen Dank für das spannende Interview!

Hamburg, 10. März 2026. Dr. Hilke Schapp hat die Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen stellte Lina Wode.

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