Magdalena Paul im Porträt

"Gute Kommunikation bedeutet für mich Transparenz."

Magdalena Paul, Counsel bei Greenfort, im Interview über Berufsanfang, Familienmanagement und klare Kommunikation.

Magdalena, Du arbeitest als Anwältin im Gesellschaftsrecht. Was fasziniert Dich in diesem Bereich?

Schon im Studium habe ich meinen Schwerpunkt auf das Gesellschaftsrecht gelegt, sicherlich erst einmal familiär geprägt und wegen meiner Begeisterung für die damaligen gesellschaftsrechtlichen Professoren an meiner Uni, Prof. Altmeppen und Prof. Wilhelm.

Ich habe mich in dem Rechtsgebiet schnell "zuhause" gefühlt; ich mag klare Strukturen und logische Zusammenhänge. Außerdem war für mich klar, dass ich Wirtschaftsanwältin und zum Beispiel nicht Familien- oder Sozialrechtlerin werden möchte, also lag das Rechtsgebiet nahe. Man kann im Gesellschaftsrecht sowohl beratend als auch forensisch tätig sein und es hat viel mehr zu bieten als nur M&A.

Du hast bereits mit 26 Jahren angefangen, als Anwältin bei Greenfort zu arbeiten. Wie hast Du die ersten Jahre als Anwältin erlebt?

Die ersten Jahre waren sehr intensiv. Am Anfang musste ich erst einmal in meine neue Position reinwachsen und viel lernen. Die Lernkurve steigt nicht nur im fachlichen Bereich. Ich habe auch im Hinblick auf Struktur und Effizienz viel gelernt. Aus meiner Sicht war es gut, gerade in der Anfangszeit viel Einsatz bringen zu können und sich auf die neue Aufgabe zu fokussieren. Meine Kanzlei war jung und ehrgeizig und ich als erste Associate in meinem Bereich am Anfang verunsichert, ob ich es schaffe, da mitzuhalten. Ich hatte einen ziemlichen "Praxisschock". Zum Glück fingen fast gleichzeitig mit mir zwei weitere junge Anwälte im Gesellschaftsrecht an. Diese Anfangszeit hat uns eng zusammengeschweißt. Eine der schönsten Erfahrungen dieser Zeit.

Insbesondere in den ersten Jahren habe ich wahnsinnig viel von den Partnern bei Greenfort gelernt, neues Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten gefasst und einen eigenen Stil entwickelt. Die Unsicherheiten der Anfangszeit sind schneller verflogen, als ich befürchtet hatte, und der Beruf fing an, mir Spaß zu machen.

Du hast einmal gesagt „Anwältin zu sein ist für mich der schönste Beruf der Welt“. Warum ist das so?

Ich berate gerne und arbeite gerne mit Mandanten und Kollegen zusammen. Genauso gerne sitze ich aber auch am Schreibtisch und überlege mir Lösungen für Probleme und wälze Literatur. Es gefällt mir, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und praktikable Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln. Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, bei dem man das alles besser vereinen kann.

Warum hast Du Dich dafür entschieden, Jura zu studieren?

 

Das hatte auf jeden Fall familiäre Gründe. Meine Eltern sind beide Juristen. Meine Großmutter und meine Urgroßmutter mütterlicherseits waren auch Juristinnen. Genauso mein Großvater und Urgroßvater väterlicherseits.

Im Referendariat hast Du Deine Station an der Deutschen Botschaft in Quito, Ecuador, verbracht. Welchen Wert misst Du Auslandserfahrungen zu?

 

Auslandserfahrungen haben für mich sowohl persönlich als auch beruflich einen großen Wert. Meine Mutter kommt aus Chile; in meiner Familie spielen also schon immer zwei Kulturen eine Rolle. Eine Zeitlang im Ausland zu leben ist aber natürlich eine noch intensivere Erfahrung, gerade, wenn die Situation dort mit den Verhältnissen, die man aus Deutschland gewohnt ist, nicht vergleichbar ist. Die Erfahrung in Quito war da noch außergewöhnlicher als in England oder den USA, wo ich als Schülerin im Rahmen von Austauschprogrammen war.

Bei Greenfort beraten wir eine große Anzahl internationaler Mandanten. Da sind insbesondere sprachliche Fähigkeiten gefragt, die man ohne Zweifel am besten im Ausland erwirbt.

Mit 31 Jahren hast Du Deine erste Tochter bekommen. Hast Du Dir Gedanken über den „perfekten Zeitpunkt“ für Kinder vor dem Hintergrund deiner Karriere gemacht?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich wollte immer Kinder haben und war mir sicher, dass das schon irgendwie funktioniert. Im Nachhinein kann ich sagen, dass der Zeitpunkt für mich genau richtig war. Ich hatte schon etwas Berufserfahrung, an die ich nach meiner Elternzeit anknüpfen konnte. Meine Kanzlei wusste, was sie an mir hat, und hat nie in Frage gestellt, dass ich auch nach der Geburt meiner Kinder weiter bei Greenfort arbeite. Gerade die ersten intensiven Jahre am Anfang der Berufstätigkeit hätte ich neben der Anfangszeit mit einem Kind, die auch eine sehr intensive Phase ist, nur schwer bewältigen können.

Deine erste Tochter ist gesundheitlich schwer beeinträchtigt und braucht eine spezielle Betreuung. Wie lässt sich das mit Deinem Job als Anwältin vereinbaren?

Insgesamt haben wir ein Modell gefunden, bei dem sich mein Beruf und der meines Mannes, der auch Jurist ist, mit unserem Familienleben vereinbaren lassen. Wir haben uns dazu entschieden, sehr viel Unterstützung durch einen Kinderintensivpflegedienst in Anspruch zu nehmen. Das bedeutet, dass sich unter der Woche weite Teile des Tages und nachts Krankenschwestern um unsere ältere Tochter kümmern. Dennoch wollen und müssen wir gerade dann, wenn es ihr nicht gut geht, auch bei ihr sein. Arztbesuche und Therapietermine müssen wir natürlich auch selbst mit ihr machen. Und ausschließlich fremdbetreut soll unsere Tochter, genauso wie ihre Schwester, auch nicht sein.

Die technischen Möglichkeiten und die Bereitschaft meiner Kanzlei, für mich – wie im Übrigen auch für die anderen Anwälte – flexibles Arbeiten zu ermöglichen, sind die Grundvoraussetzungen, damit ich arbeiten kann. Aber am aller wichtigsten ist der eigene Wille. Denn es gibt durchaus Situationen, die einen an den Rand dessen bringen, was man leisten kann. Nach einer durchwachten Nacht am Bett meiner Tochter oder nach einem langen Aufenthalt auf der Kinderintensivstation muss der Wille ganz schön stark sein, um an den Schreibtisch zurückzukehren und sich mit den dann am Ende doch profanen Niederungen des Gesellschaftsrechts zu beschäftigen.

Was ist für Dich wesentlich, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht?

Gute, verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung und eine Kanzlei, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur auf dem Papier fördert.

Magdalena, seit Du Kinder hast, arbeitest Du als Anwältin in Teilzeit. Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht? 

Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, sonst würde ich das nicht machen. In meiner nicht ganz alltäglichen Situation ist das sicherlich nicht selbstverständlich. Manchmal bedaure ich durchaus, dass es spannende Mandate gibt, die ich aufgrund meiner Teilzeittätigkeit nicht mitbearbeiten kann.

 

Aber es gibt zum Glück genug spannende und interessante Mandate, die ich bearbeiten kann. Die Teilzeit eröffnet mir die Möglichkeit, Mutter und Anwältin zu sein. Ich bin gerne Mutter und habe einen anspruchsvollen Job als Anwältin. Ich sehe meine Kinder aber aufgrund der Teilzeit nicht nur abends, sondern auch nachmittags. Das ist mir sehr wichtig. Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir mit meiner älteren Tochter bleibt. Und die Stunden, die meine jüngere Tochter mit mir gemeinsam verbringen möchte, werden mit zunehmendem Alter wahrscheinlich auch nicht unbedingt mehr werden. Daher genieße ich diese Zeit mit den beiden Kindern sehr.

Ich habe auch das Gefühl, dass Frauen, die in Teilzeit arbeiten, mehr Respekt entgegengebracht wird als früher und niemand mehr dafür belächelt wird. Die gesellschaftliche Akzeptanz wird aus meiner Sicht immer größer. Es hat sich jedenfalls noch nie jemand getraut, mein Modell in Frage zu stellen oder zu kritisieren. Weder in die eine noch in die andere Richtung.

Was bedeutet gute Kommunikation für Dich?

Gute Kommunikation bedeutet für mich Transparenz. Ich kann meinen Gegenüber besser verstehen, wenn er ehrlich und offen mit mir spricht, als wenn er Dinge nicht richtig beim Namen nennt. Bezogen auf die Teilzeittätigkeit heißt das insbesondere, dass man sich nicht scheut, klar zu kommunizieren, wann man erreichbar ist und wann nicht. Das setzt übrigens auch voraus, dass man sich erst einmal selbst genau überlegt, was realistisch ist und was nicht. Man muss sich dafür auch grundsätzlich die Frage stellen, was man möchte und wie der Weg dahin aussehen soll. Bis jetzt habe ich mit meiner klaren Kommunikation nie negativen Erfahrungen gemacht.

Gibt bzw. gab es berufliche Situationen, in denen Du die einzige Frau bist? Wie gehst Du damit um?

Ich habe ständig die Situation, dass ich die einzige Frau bin. Gerade mit zunehmender Berufserfahrung spielt das aber eigentlich keine Rolle.

Hattest du eine/n Mentor/in, die/der Dich auf Deinem Karriereweg begleitet hat?

Ja. Auf meinem bisherigen Karriereweg haben mich einige für mich sehr wichtige Menschen begleitet. Die Greenfort-Partner Gunther Weiss und Daniel Röder sind seit dem ersten Tag meiner Berufstätigkeit wichtige Mentoren. Und natürlich meine Eltern, Ximena Montecinos und Andreas Göhmann, früherer Leiter der Rechtsabteilung der TUI AG.

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte und wieso?

Monica Löhdefink, englische Solicitor und Rechtsanwältin, und Team Lead in der Rechtsabteilung der EZB. Sie hat mir in einer Zeit, in der ich das nicht für möglich gehalten habe, gezeigt, dass man auch in einer eher ungewöhnlichen Familienkonstellation mit einem Kind mit und zwei Kindern ohne Beeinträchtigung eine spannende Karriere verfolgen kann.

Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast! 

Frankfurt, 4. März 2020. Das Interview führte Jennifer Seyderhelm.

Spannende Porträts, die Dich ebenfalls interessieren könnten:

Anne-Marie Keding, Ministerin für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, über ihre Verwaltungslaufbahn, den Wechsel ins Ministerium und nicht geschriebene Veröffentlichungen. Weiterlesen

 

Olga Hamama, Partnerin bei V29 Legal, über die Freiheiten der Selbstständigkeit, Visibilität als Mittel gegen Unconscious Bias und die Geschwindigkeit, die Kinder in den Alltag bringen.  Weiterlesen