Kira Falter

Kira Falter im Porträt

„Ich plädiere für mehr Authentizität im Berufsalltag – das darf meines Erachtens nicht als Schwäche ausgelegt werden.“

 

Kira Falter, Partnerin bei CMS Hasche Sigle*, im Interview über den Weg in die Partnerschaft, Kommunikation und Netzwerken.

Kira, Du bist Anwältin bei CMS im Arbeitsrecht. Dafür bist Du mehrmals im Monat vor Gericht tätig. Was fasziniert Dich am Arbeitsrecht?

Ich habe mich für das Arbeitsrecht entschieden, da es meines Erachtens eine Rechtsmaterie aus dem Leben ist - mit all seinen Höhen und Tiefen. Die Sachverhalte sind in der Regel sehr greifbar, das fand ich von Anfang an sehr spannend. Zudem hat es mich von Beginn an begeistert, auf Arbeitgeberseite zu beraten, weil mich die wirtschaftlichen und unternehmerischen Zusammenhänge von Entscheidungen interessieren. Diese haben oftmals auch enorme Auswirkungen auf die Kultur eines Unternehmens und auf entsprechende Personalentscheidungen. Nach über sieben Jahren als Anwältin auf Arbeitgeberseite finde ich es zudem toll, dass ich viele Mandanten schon seit Beginn meiner Tätigkeit begleite und die Unternehmen daher sehr gut kenne. Das ist ein Vorteil für den Mandanten und für mich.

Mit 34 Jahren bist Du kürzlich zur Partnerin ernannt worden. Was bedeutet die Partnerschaft für Dich und warum wolltest Du Partnerin werden?

Für mich persönlich bedeutet es, nochmal eine neue Herausforderung, mehr Verantwortung und die Möglichkeit, zukünftig noch mehr bei CMS mitgestalten zu können. Das war meine Motivation für die Bewerbung als Partnerin: ich wollte mich uneingeschränkt für die Sozietät einsetzen, aber auch die Verantwortung für Entscheidungen mittragen. Ich möchte Dinge verändern, gestalten und mich einbringen können. Zwar war dies auch als angestellte Anwältin möglich und ich hatte auch so das Gefühl, „gehört“ zu werden. Als Partnerin ist die Rolle aber doch noch einmal eine andere. Die Verantwortung für die Mitarbeiter*innen ändert sich, ich kann und möchte zukünftig noch mehr selbst in die Hand nehmen. Ich bin gespannt, was sich verändert, ob ich mich selbst verändere und ob ich als Partnerin anders wahrgenommen werde. Ich finde es insofern ganz wichtig, ich selbst zu bleiben - auch mit den Unsicherheiten, die mit so einem Schritt einhergehen. Meines Erachtens gehört dazu auch, authentisch zu sein und zu bleiben, ohne dass einem dies als Schwäche ausgelegt wird.

Du hast einen Fachanwalt im Arbeitsrecht. Für wie wichtig hältst Du diese Qualifikation und wie nutzt sie Dir konkret?

Bei CMS wird die Erlangung des Fachanwaltstitels gefördert und begrüßt. Im Arbeitsrecht haben wir sehr viele Gerichtsverfahren, so dass es nicht schwer ist, ausreichend Fälle für den Fachanwalt zu sammeln. Von dem Kurs an sich hatte ich mir noch etwas mehr Wissensvermittlung erhofft, aber die Vorkenntnisse aller Teilnehmer sind natürlich sehr unterschiedlich. Die Prüfung am Ende war in jedem Fall sehr anspruchsvoll - da musste man tatsächlich nochmal richtig lernen, was nach so langer Zeit sehr ungewohnt war. Für unsere Mandant*innen ist der Fachanwaltstitel meines Erachtens ein weiteres Zeichen unserer Qualität als hochspezialisierte Berater*innen. Meines Erachtens noch wichtiger ist es aber, das eigene Fachwissen stets aktuell zu halten, das heißt Rechtsprechung und Literatur zu lesen, damit man immer auf dem neuesten Stand ist. 

 

War Dir von Beginn Deiner Tätigkeit als Anwältin klar, dass Du Partnerin werden wolltest?

Also ich glaube, wenn man die Partnerschaft nicht kategorisch für sich ausschließt, sollte man sich den Weg dorthin in jedem Fall offenhalten, indem man im Austausch mit Mentor*innen, jüngeren Partner*innen bleibt und mit ihnen darüber spricht, was sie überzeugt hat, diesen Weg zu gehen. Bei CMS sind es sieben Jahre bis man Partner*in werden kann. Das hört sich irgendwie lang an, aber die Zeit geht im Ergebnis sehr schnell vorbei – immerhin sind es dann nur noch zwei Jahre ab der Ernennung zum Counsel nach dem 5. Jahr. Bei CMS haben wir aber kein klassisches „Up or Out“-System mehr, das nimmt zusätzlich den Druck raus, da man nicht Partner*in werden muss, um dauerhaft hier zu arbeiten. Wir haben insofern die Position des Principal Counsel, die für viele eine äußerst attraktive Alternative zur Partnerschaft darstellt.

Ab wann ist es sinnvoll, einen konkreten Karriereplan zu entwickeln?

Ich habe mich nach meiner Counsel-Ernennung entschieden, den Weg in die Partnerschaft zu gehen - dabei hatte ich von Beginn an volle Rückendeckung durch meinen Mentor. Viel habe ich danach eigentlich nicht anders gemacht. Insofern habe ich mir keinen konkreten „Schlachtplan“ überlegt. Wie so vieles im Leben kann man im Zweifel auch die Ernennung zur Partnerin nicht planen. Mein Tipp: mit offenen Augen und Ohren durch das Leben und die Kanzlei gehen, sich für die Dinge einsetzen und stark machen, die einem wichtig sind und vor allem auch „unterwegs“ die Freude für die Arbeit nicht verlieren. Es ist in jedem Fall hilfreich, wenn man sich intern vernetzt und die Kolleg*innen einen kennen. Auch seinen Business Case sollte man sich rechtzeitig suchen, sich hier einen Namen machen (extern wie intern) und sich Ziele setzen. Ich fand es sehr wichtig, dabei authentisch zu bleiben und mich weiterhin für die Themen stark zu machen, die mir am Herzen liegen. Das sind zum Beispiel Aspekte wie Gleichberechtigung, Employer Branding und die Kommunikation in der Kanzlei. Es reicht meines Erachtens nicht, nur die Akten auf dem Schreibtisch zu bearbeiten, denn viele wichtige Themen fangen erst dort an, wo die Schreibtischkante aufhört. Ich habe beispielsweise sehr viele Events organisiert, bin Ansprechpartnerin für die Kooperation mit dem Female Business Club Nushu und habe mich immer dort eingebracht, wo ich es interessant und sinnvoll fand. Es ging mir dabei nicht um box-ticking auf dem Weg zur Partnerschaft. Ich glaube, das funktioniert nicht.

Du bist als Botschafterin von dem Karrierenetzwerk Nushu aktiv. Wie beurteilst Du den Nutzen von Frauennetzwerken?

 

Zuerst war ich auch skeptisch, weil ich nicht wusste, was mich in reinen Frauennetzwerken erwartet. Aber es ging nicht darum, dauerhaft darüber zu sprechen, wie und warum Frauen auch heute noch benachteiligt werden, sondern um Business und Netzwerken. Das hat mich sehr positiv überrascht. Gerade dieser Role Model Gedanke empowert. Ich glaube, man tauscht sich anders aus, wenn ausschließlich Frauen dabei sind. Man hat schon auch andere Themen und geht mit Herausforderungen anders um. Das sehen wir ja auch an dem Erfolg von Frauen-Netzwerke.

Woran liegt es Deiner Ansicht nach, dass es weniger Partnerinnen als Partner gibt? Und wie könnte man diese Diskrepanz lösen?

Sicherlich wird dies immer zum Teil in der Natur der Sache liegen: Frauen bekommen nun mal Kinder. Männer, die (auch mehrfach) Vater werden, können ihre Karriere in der Regel ohne jegliche Einschränkungen weiter verfolgen - das geht für die meisten Frauen nicht. Was in meinen Augen aber ganz unabhängig davon eine enorme Rolle spielt: Wir Frauen haben einen extrem hohen Anspruch an uns selbst. Das nehmen wir bei uns selbst oft nicht wahr. Wir sehen auch nicht, wie viel wir leisten: im Job, in der Familie, im Freundeskreis. Wenn Andere uns das sagen, denken wir „Ach, wenn Du wüsstest, wie oft ich mich überfordert fühle. Tough bin ich nun wirklich nicht, eher dauerhaft überfordert und sehr oft unsicher.“ Bei anderen Frauen sehen wir, was sie leisten, bei uns selbst sind wir aber noch strenger; da reicht es nie. Und ich glaube, das ist der Grund, warum wir Frauen uns bestimmte Schritte, Positionen und Entscheidungen manchmal nicht zutrauen. Bevor wir etwas nicht zu mindestens 120 Prozent beherrschen, trauen wir es uns nicht zu.

 

Das ist meines Erachtens sehr schade, weil es so viele tolle und kluge Frauen gibt, die sich gar nicht erst (zu-)trauen, einen bestimmten Weg einzuschlagen. Und das, obwohl viele Unternehmen unbedingt mehr Frauen in Führungspositionen bringen wollen. Daher müssen Unternehmen in meinen Augen dort ansetzen und Frauen den nötigen Rückhalt bieten. Das geht über das Angebot von Teilzeit hinaus. Vielmehr geht es darum, mit den Mitarbeiterinnen im Gespräch zu bleiben, offen zu sein für Fragen und eventuelle Unsicherheiten. Nur wenn wir über diese Dinge offen sprechen, können die Unternehmen verstehen, warum manche Frauen eventuell gar nicht erst versuchen, die Karriereleiter weiter nach oben zu steigen. Wenn wir aber nicht miteinander reden, dann können die Arbeitgeber auch nicht reagieren - dann verlieren beide Seiten, weil ein enormes Potential an geeigneten Kandidat*innen verloren geht.

Gab es Situationen, in denen Du negative Erfahrungen aufgrund Deines Geschlechts gemacht hast? Wie bist Du damit umgegangen?

Ich hatte in meinem beruflichen Alltag noch nie das Gefühl, aufgrund meines Geschlechts benachteiligt zu werden und erlebe dies auch in meinem beruflichen Umfeld zum Glück nicht. Im Gegenteil, CMS ist das Thema Gender Equality sehr wichtig und wir engagieren uns hier (zum Beispiel durch die Kooperation mit Nushu).

Innerhalb der Kanzlei im Kolleg*innenkreis habe ich daher noch nie entsprechende negative Erfahrungen gemacht. Außerhalb von CMS habe ich schon hin und wieder unangenehme Sprüche kassiert, die im Zweifel nicht gefallen wären, wenn ich keine Frau gewesen wäre. Leider war ich beide Mal so perplex, dass ich nicht gekontert habe und mich nachher geärgert, dass ich nicht schlagfertig war. Im Anschluss habe ich mit einer Partnerin gesprochen und sie hat mir den Tipp gegeben, dass man die unangemessene Bemerkung des Gegenübers ganz direkt und offen aufgreift und ihn so mit dieser unangenehmen Äußerung in den Fokus rückt. Den Tipp fand ich sehr gut, man braucht eine „Notfalllösung“, die immer und unabhängig von dem konkreten Spruch funktioniert.

Wie macht man sich einen Namen als Anwältin?

Ich glaube, es ist wichtig, dass man nicht nur die Darstellung nach außen, d.h. gegenüber dem Mandanten im Blick behält, sondern auch die interne „Vermarktung“.

Mir war es immer wichtig, dass ich gegenüber meinen Kolleg*innen offen mit meiner Meinung umgehen kann. Fachlich gut sein und nur am Schreibtisch sitzen, reicht insofern nicht. Es ist wichtig, dass man sich als Persönlichkeit mit Charakter einbringt, Interesse entwickelt und zeigt. Extern funktioniert das über Veröffentlichungen und Vorträge, wenn man sich als fachliche*r Ansprechpartner*in einen Namen machen möchte. Es passiert auch, dass die Mandant*innen einen weiterempfehlen.

Hilfreich ist, wenn man gerne kommuniziert und sich austauscht. Dass man sich für sein Gegenüber und seine*n Mandant*in interessiert. Das ist schon auch Typsache, aber das kann man ja auch üben und lernen. Ich habe zum Beispiel auch schon im Fitnessstudio akquiriert.

Was bedeutet für Dich gute Kommunikation in einer Kanzlei?

Gute Kommunikation bedeutet für mich Transparenz. Natürlich gibt es Themen, bei denen ein Unternehmen nicht komplett transparent gegenüber den Mitarbeitern sein kann. Aber nach meiner Erfahrung werden Entscheidungen besser akzeptiert und mitgetragen, wenn wir verstehen, warum sie getroffen werden. Dazu gehört es für mich auch, auf Augenhöhe zu kommunizieren - auch das führt im Zweifel zu einem besseren Miteinander. Das ist für mich zum Beispiel auch im Verhältnis zu unseren Assistent*innen absolut selbstverständlich.

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte und wieso?

Für mich ist Martina Hidalgo, eine Partnerin von CMS aus München, eine absolut inspirierende Persönlichkeit. Sie ist sowohl fachlich als auch persönlich eine tolle Ansprechpartnerin und ist für mich ein absolutes Role Model.

 

Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast!

 

Frankfurt/Köln, Januar 2021. Das Interview führte Jennifer Seyderhelm.

*Anm. d. Red.: Zum Zeitpunkt des Interviews war Kira Falter Counsel bei CMS Hasche Sigle.

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