Christina Täuber

Christina Täuber im Porträt

Mutig sein, die Themen rausbringen, mit Niederlagen umgehen lernen.

Christina Täuber, Legal Counsel bei CML Construction Services GmbH, der in-house Rechtsabteilung der STRABAG SE in Wien, über ihre Rolle als Legal Counsel in Streitfällen im Baubereich, den Mut, zu sagen, was man zu sagen hat und wie man sich von unrealistischen Vorstellungen löst.

Liebe Frau Täuber, sie arbeiten seit fast 15 Jahren in Wien bei der CML Construction Services GmbH, einer Tochtergesellschaft der STRABAG SE im Bau-Bereich. Eine so lange Zeit in einem Unternehmen ist ja bemerkenswert. Was begeistert Sie an ihrer Arbeit?

Meiner Meinung nach darf ein Job keine kurzfristige Lösung für ein langfristiges Problem sein. Ein Job, der lediglich das Einkommen sichert, ist zu kurzfristig gedacht. Man braucht etwas, das einen wirklich begeistert; ein Unternehmen, in dem man sich wohlfühlt und auch eine Entwicklung der Tätigkeit stattfindet. Der Bau-Bereich ist gerade in einem großen Transformations-Prozess. Das ist sehr spannend zu sehen, wie sich das verändert.

Wie hat sich Ihre Arbeit bzw. Ihre Position denn in den 15 Jahren entwickelt?​

Ich habe anfangs für eine operative Einheit gearbeitet und für ganz spezifische Projekte zugearbeitet.. Da bekommt man eine sehr guten Einblick in den Ablauf eines Bauprojektes, was mir sehr geholfen hat, den Bau und die Themen, die die Menschen dort bewegen, zu verstehen. Danach bin ich von der operativen Einheit in die Rechtsabteilung gewechselt und habe mehr die Vogelperspektive eingenommen. Das schöne im internationalen Bau ist, es gibt die internationalen standardisierten Bauverträge. Die sind entsprechend komplex und in den unterschiedlichen Jurisdiktionen gibt es unterschiedliche Themen, auf die man schauen muss. Von Kroatien, Bulgarien über afrikanische Länder, England, Russland, in all diesen Ländern habe ich Projekte juristisch betreut. Ich hatte die große Möglichkeit viel zu sehen und relativ schnell relativ große Projekte mitzubetreuen. Das war eine tolle Herausforderung. Nach 2008 und der Finanzkrise kam dann mein allererstes Schiedsverfahren. Das mache ich jetzt fast seit 10 Jahren. Und vor drei Jahren gab es wieder einen Shift. Seitdem mache ich sehr viel IT-Recht, weil sich unser Konzern diesbezüglich auch sehr weiterentwickelt und seit letztem Jahr eine sehr starke digitale Transformationsstrategie fährt. Da gehören die Themen Software und Datenschutz und auch LegalTech dazu. Es tut sich dauernd etwas. Immer wenn ich das Gefühl habe, jetzt habe ich den Dreh raus, kommt etwas komplett Neues. Mir ist es wichtig, nicht stehen zu bleiben sowohl in der persönlichen als auch in der juristischen Entwicklung. Ich fand es einfach spannend, mir wieder ein neues Rechtsgebiet zu erarbeiten, mit dem ich vorher so gut wie nichts zu tun hatte. 

Nach dem Studium in Salzburg haben Sie zunächst einen Master im Bereich Internationale Beziehungen in Amsterdam gemacht und beim Europäischen Parlament in Brüssel gearbeitet. Was haben Sie dort gelernt?

 

Banal: sehr gut Englisch zu sprechen. Das war damals für mich schwer, denn ich hatte  sämtliche Vorlesungen auf Englisch und die zu schreibende Papers ebenso. Ich hatte mit vielen unterschiedlichen Leute zu tun und teilweise Kurse mit 26 Nationen und Brüssel ist sowieso sehr international. Man bekommt verschiedene Kulturen präsentiert, mit denen man auf Augenhöhe kommuniziert, und dadurch eine große Sensibilität dafür, wie man mit Leuten umgeht. Das war das größte Asset, das ich mitgenommen habe, zusätzlich zu der beruflichen Qualifikation. Zusätzlich: Ich hatte während des Studiums diese fixe Idee, dass ich unbedingt in einer internationalen Institution arbeiten möchte und dass das ganz großartig sein wird. Das war es auch bis zu einem gewissen Punkt. Was ich daraus gelernt habe: die fixen Ideen zu hinterfragen. Und das geht nur, indem man sich so viel wie möglich anschaut und sich fragt: Ist das was für mich?

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Warum haben Sie sich danach für ein Unternehmen als Arbeitsplatz entschieden?

Mich hat die Arbeit in der Kanzlei ehrlicherweise immer abgeschreckt. Ich habe sehr viel während meines Studiums gesehen und war beispielsweise im Sommer am Gericht als Rechtshörerin. Mich hat dieses Verhalten der Anwält*innen irritiert. Das hat sich für mich nie richtig angefühlt. Rückblickend war es vielleicht auch naiv. Ich habe sechs Wochen Praktikum in einer Kanzlei gemacht, aber das hat mich in meiner Meinung leider bestärkt. Das, was aber wirklich ausschlaggebend war: Ich bin gern auf einer Seite. Ich wechsle nicht gern jeden Tag den Hut, obwohl das in einem Unternehmen natürlich auch nicht schwarz-weiß ist. Aber ich repräsentiere das Unternehmen gegenüber Dritten. Und ich kann mich mit dem Unternehmen sehr gut identifizieren. Das war vermutlich einer der Gründe, warum die Kanzlei für mich als Option nicht attraktiv genug war.

Zu Beginn gab es in der internationalen Rechtsabteilung zwei Kolleginnen und Sie. Inwiefern haben Sie von dieser Möglichkeit profitiert?

Es gab damals den Wunsch vom Konzern eine internationale Rechtsabteilung zu gründen. Meine allererste Chefin bekam den Auftrag und dann wurden aus den operativen Einheiten die Jurist*innen rausgesucht, die in die Rechtsabteilung hineinpassten. Am Anfang waren wir drei Frauen.

Untereinander gab es eine intensive Zusammenarbeit. Ich fand es toll gemeinsam, insbesondere mit meiner damaligen Chefin, das zu machen. Sie hat mir sehr viel beigebracht; nicht nur juristisch, sondern auch strategisch: Wie gehe ich gewisse Dinge an? Wie reagiere ich auf die im Baugeschäft sehr direkte Art? Wie komme ich mit sehr klaren Ansagen zurecht? Wie kann ich Dinge strategisch so platzieren, sodass es für alle passt, aber wir nicht die Integrität der Rechtsabteilung konterkarieren? Es war eine spannende Zeit: wir waren zu dritt und hatten zumindest ein Jahr lang nur uns. Wir haben zusammengearbeitet und uns gegenseitig geholfen; jede hat jede unterstützt. Wir haben viel geredet und viel Strategie besprochen. Ich war die Jüngste, jede war in einer anderen Phase des Lebens, das was sehr spannend.

Was gehört zu Ihren täglichen Aufgaben als Legal Counsel?​

Täglich habe ich momentan ein Telefonat mit meinem IT-Einkauf für neue Projekte. Dann habe ich die Schiedsverfahren, die ich betreue, jeweils in den unterschiedlichen Phasen. In einem Schiedsverfahren sind wir gerade auch auf der Kanzleiseite nur Frauen, die da zusammenarbeiten. Das ist eher ungewöhnlich, aber es ist spannend, funktioniert ausgezeichnet und ist ein interessanter Prozess. Ich habe Telefonate mit Operativen und kurze Anfragen wie „Kannst Du Dir mal schnell das anschauen?“ Die Themen kommen täglich: Anfragen zu Schiedsverfahren, zu Software, Vertragsanalysen. Ich habe keine Routinen, aber das ist auch das Schöne. Ich mag es, flexibel zu sein. Die einzige Challenge dabei ist, die Tage so zu planen, dass auch noch Zeit ist, um die längerfristigen Themen abzuarbeiten. Das ist ein Thema, das ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe. Wie organisiere ich meine Tage besser? Das ist meine große Aufgabe. Aber es gibt kaum Routinen; wir nehmen jeden Tag wie er kommt.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Legal Counsel in einem Streitfall im Vergleich zu anderen Beteiligten?

Als Inhouse Legal Counsel bei den Schiedsverfahren sind wir der Flaschenhals. Jegliche Information wird über die Rechtsabteilung gespielt, sowohl von extern wie auch von intern. Ich muss de facto alles wissen.

Ich glaube auch, unsere Tätigkeit insbesondere in Bezug auf die Streitigkeit ist auch so eine Art Projektmanager*in. Es liegt zum einen an mir, das Projekt oder das Schiedsverfahren so aufzusetzen, dass es unter den gegebenen Umständen so effizient wie möglich läuft. Sie müssen sich vorstellen, es gibt Schiedsverfahren, da läuft das Projekt ja noch. Die Leute sind tagtäglich auf der Baustelle und müssen das Projekt exekutieren, während sich im Hintergrund eine Streitigkeit anbahnt. Da gilt es die richtigen Stakeholder herauszufiltern, die für uns die Informationsträger*innen sind, das Projekt so aufzusetzen, dass es zu keinem Informationsverlust kommt und die Informationen an die richtigen Leute weiterleiten. Das ist am Anfang immer eine Challenge herauszufinden, wer braucht wirklich welche Information.

Zum anderen ist insbesondere gegenüber den Kanzleien klar, dass im Prozess wir die Zügel in der Hand haben, weil wir uns gegenüber dem Management für die Kosten rechtfertigen müssen. Wir machen klare Vorgaben und setzen Stopps. Ich sitze aber auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dort, sondern wir erarbeiten uns zusammen mit den Kanzleien jeden Prozess, indem wir gemeinsam viel besprechen und organisieren.

Das Schlimmste, was ich je gehört habe und bei dem ich mich geärgert habe, war als ich mich mit einer Rechtsanwältin unterhalten habe und sie sagte: „Ja, aber jetzt ganz ehrlich, wofür SIE da sind in einem Schiedsverfahren, verstehe ich nicht. Die Inhouse Counsel mit denen ich bis jetzt gearbeitet habe, reden mir eh nur rein.“ Das kann es nicht sein. Da hat jemand die Rolle der Inhouse Counsel missverstanden.

Unsere Funktion ist – wenn sie richtig gelebt wird – eine sehr wichtige. Diesen Prozess kann ich keiner Kanzlei überlassen, denn natürlich haben Kanzleien einen anderen Fokus auf die Verfahren bzw. andere Schwerpunkte. Da geht es mehr darum, sich in das tatsächlich anwendbare Recht einzulesen und entsprechend die Argumentation aufzubauen. Dabei noch unser Budget im Blick zu behalten, kann nicht Thema der Kanzlei sein.

Ich habe auch den Eindruck, dass es den Kanzleien auch ganz recht ist, dass wir da sind. Denn es gibt insbesondere bei Bauprojekten eine Flut von Informationen, die man zu bewältigen hat. Auch bei der Einordnung von Informationen ist unsere Arbeit hilfreich. Wir kennen die Projekte, wir haben zumindest ein Grundwissen darüber, wie eine Straße, wie ein Hochhaus und wie ein Tunnel gebaut wird. Und diese Übersetzung für die Kanzleien wird gern gesehen und akzeptiert.

Zusätzlich sind wir auch dafür da, unseren Operativen die Hand auszustrecken und zu sagen: „Wir sind auf Eurer Seite.“ Denn im Schiedsverfahren schauen wir uns alles an und schauen auch dahin, wo es weh tut. Bauleute sind verständlicherweise sensibel, wenn es um ihre Projekte geht. Sie arbeiten mehrere Jahre oft unter widrigen Umständen; da ist klar, dass nicht immer alles 100 Prozent glatt gehen kann. Und dann kommt einer aus der Zentrale und hinterfragt plötzlich Vieles. Anfangs geht es viel darum, eine Verbindung zu schaffen zu den Operativen. Wenn ein Streitfall zu uns kommt, sage ich häufig: “Sie können davon ausgehen, dass Sie uns in einem halben Jahr nervig finden werden und nicht wissen werden, warum wir Ihnen dieselbe Frage immer und immer wieder stellen werden.“ Man muss den Operativen auch die Erwartungshaltung beschreiben, was wir von ihnen brauchen und möchten. Und beim Hearing sind wir für diese Personen dann oft das einzig freundliche Gesicht im Raum. Denn das Schöne ist, wenn es dann zum Hearing am Ende des Verfahrens kommt, sind wir eine eingeschweißte Gruppe.

Zusammen mit anderen veranstalten Sie regelmäßig den Construction Round Table zum Thema Recht und Technik. Warum ist es wichtig, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen?​

Diese Idee wurde vor fast drei Jahren gemeinsam mit Eliane Fischer von rothorn, damals Freshfields Bruckhaus Deringer in Wien geboren. Ausschlaggebender Grund war damals, dass es viele Konferenzen über Baurecht gab, aber es dort nie in diese Interkonnektivität ging, die gerade in diesen Verfahren so wichtig ist. Das war unser Hauptanliegen. Dieses Forum lebt sehr von der Direktheit. Wir konferieren immer in einem kleinen Kreis mit selten mehr als 20 Personen. Diese Persönlichkeit, dieses Flair wollen wir dem nicht nehmen. Ich finde den Austausch sehr befruchtend, weil man mehr Verständnis bekommt für das Gegenüber, insbesondere auch mit den Expert*innen und mit den Kanzleien. Das ist einfach ein sehr interessanter Austausch, denn diese Denke ist teilweise komplett anders. Ingenieur*innen beispielsweise sind komplett anders geprägt und sozialisiert als Jurist*innen. Die sehen ein Problem und eine Lösung; Hauptsache sie funktioniert irgendwie. So sind wir ja überhaupt nicht erzogen, da gibt es den Sachverhalt und dann schaue ich, wo komme ich hin, welche juristischen Möglichkeiten habe ich, was sagt der Vertrag etc. Die operativen Einheiten fragen dann oft: „Wieso kannst Du mir nicht sofort eine Lösung präsentieren, damit ich sie umsetzten kann?“ Das ist ein großer Unterschied zwischen den Professionen. Mit dem Austausch wollen wir mehr lernen, mehr verstehen. Man profitiert sehr von solchen Veranstaltungen; man bekommt neues Know-how, man lernt neue Leute kennen, mit denen man sich austauschen kann und der Horizont erweitert sich. Das ist mittlerweile ein richtiges Netzwerk geworden.

Was ist Ihrer Meinung nach ein gutes Rezept, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?​ 

Das ist eine schwierige Frage, muss ich gestehen. Ich selbst habe kein Rezept.

Es ist aber wichtig, dass Frauen – insbesondere in männlich geprägten Umfeldern – nicht drauf warten, dass jemand sagt: „So, Du bist es jetzt, du übernimmst dieses Thema etc.“ Frauen müssen sagen: „Mich interessiert das, ich würde das gerne machen.“ Wenn die Idee dann angenommen wird, ist das super. Und wenn nicht, war es vielleicht nicht das richtige. Ich glaube einfach stark an intrinsische Motivation. Ich habe oft das Gefühl, das verlieren einige und dadurch kommt viel Frustration. Denn dann sitzt man in einer Erwartungshaltung da: „Hier bin ich, warum will mich keiner?“ Diesbezüglich ist noch sehr viel zu tun, insbesondere bei Frauen. Ich glaube, dass wir uns nicht zurücklehnen können, nur weil wir Frauen sind und denken dürfen, jemand muss jetzt unseren Wert erkennen. Wir Frauen müssen da viel frecher werden und viel mutiger an die Dinge herangehen. Das kann ich jeder Frau nur raten.

Was haben Sie in Ihrer Karriere dazu gelernt? Was machen Sie heute anders, also noch vor ein paar Jahren?

Ich bin viel ruhiger, entspannter und gehe mit den Themen viel ruhiger um. Mich bringt so schnell nichts mehr aus der Fassung, was ich sehr angenehm finde. Das bringt zum großen Teil auch die Erfahrung mit sich. Ich kann mit vielen Dingen viel unaufgeregter umgehen als ganz am Anfang. Da fängt es dann an, richtig Spaß zu machen.

Ich sehe mich außerdem nicht mehr gezwungen auf jede Frage zu antworten. Wir sind so sozialisiert, dass, wenn mir jemand eine Frage stellt, ich sie beantworten muss. Und zwar am besten so, dass jeder denkt, ich weiß entsprechend viel. Aber das ist oft kontraproduktiv. Weil die Frage für sich entweder falsch gestellt oder ungenau ist. Ich muss nicht auf alles antworten. Das ist eine große Kunst, weil das ein unangenehmes Gefühl beim Gegenüber und bei einem selbst erzeugt. Wie lange hält man die Stille aus? Das Interessante ist, wenn ich nicht drauf antworte oder zurückfrage: „Wie meinen Sie das?“, lande ich oft ganz wo anders und am Kern der Sache. Das mache ich heute sehr viel anders als früher. Aber das ist total schwer, daran musste ich lange arbeiten.

Was hat sich für Sie als die größte Herausforderung mit Blick auf die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf erwiesen?

Als meine Tochter klein war, war sehr herausfordernd, wie mein Mann und ich das miteinander händeln, denn mein Mann ist genau wie ich voll berufstätig, und wie wir uns die Zeiten so aufteilen, dass es für beide passt. Und das Schlafdefizit – ebenfalls eine Challenge. Auch sich von Vorstellungen lösen, die man von sich hatte, als Mutter, als arbeitende Frau, als Frau generell, ist wichtig. Man muss in sich selbst sehr genau hineineinhören und schauen, was für einen selbst passt und was nicht. Dieses ständige Kritisieren der Frauen untereinander ärgert mich auch sehr. Heute denke ich mir, es ist eh egal, was andere über mich denken, es wird immer für jemanden falsch sein. Dieser Gedanke ist aber auch sehr befreiend, denn dann kann ich auch machen, was ich möchte.

Insbesondere Müttern ist nämlich sehr viel zuzutrauen. Sie sind super im Zeitmanagement und arbeiten effektiv. Ich habe wieder begonnen zu arbeiten, als meine Tochter 13 Monate war und habe dann vier Monate 16 Stunden in der Woche gearbeitet. Dann habe ich aufgestockt auf 20 oder 25 Stunden pro Woche. Mein damaliger Chef hat mir damals die volle Verantwortung für ein Schiedsverfahren gegeben. Er hat nicht davor zurückgescheut, einer Teilzeitkraft das zu überantworten. Ich habe ein Jahr lang dieses Projekt und andere mit 25 Stunden geschafft. Dieses Vertrauen, das er mir gegeben hat; das war super.

Inwiefern trägt das richtige Mindset zu einer erfolgreichen Karriere bei?

"Das" richtige Mindset gibt es nicht. Aber ich glaube schon, dass wir Frauen uns überlegen müssen, ob wir teilweise ein förderliches Mindset haben. Mit Frustration umgehen zu lernen, ist sehr wichtig. Ich habe vor zwei Jahren ein Projekt im Kopf gehabt; das hat aus diversen Gründen überhaupt nicht funktioniert. Das war extrem frustrierend in dem Moment, denn da hatte ich meine ganze Energie reingesteckt. Aber auch das war rückblickend für mich wichtig. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht: Überleg Dir das nochmal genau, schau dir das an. War das wirklich das, was du wolltest? Was kannst Du besser machen? Wie gehe ich jetzt damit um? Wachse ich daran und wie geht das? Da muss man selbst überlegen, warum es nicht funktioniert hat und was man daraus lernen kann.

Und, wie ich schon sagte, man muss sich als Frau bemerkbar machen. Wenn ich was zu sagen habe, dann sollte ich es sagen. Nur so bekommt man auch die Aufmerksamkeit, die man verdient. Mutig sein, ehrlich zu sich selbst zu sein, die Themen rausbringen, mit Niederlagen umgehen lernen. Dieses „frech sein“; frech nicht in dem negativen Kontext. Tatsächlich kocht doch jeder nur mit Wasser. Frauen sollten Dinge und Themen auch für sich beanspruchen. Präsent sein, sich zu zeigen und sagen, was man denkt, ist ein wichtiger Schritt.

Welchen Rat würden Sie jungen Juristinnen geben, die am Anfang Ihrer beruflichen Karriere stehen?

Sich so viel wie möglich anzuschauen und auszuprobieren, auch in den verschiedensten Bereichen. Und dann einen Bereich finden, der einem richtig Spaß macht. Und so früh wie möglich anfangen Dinge auszuprobieren; das bietet sich heutzutage wesentlich mehr an als früher.

Welche Juristin hat Sie so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

Ich würde gerne eine Freundin von mir nominieren. Mirjam Weichselbraun-Garibo. Sie ist Mediatorin. In der Porträtgalerie fehlt mir dieses Berufsbild noch. Sie ist eine großartige Frau. In ihr habe ich eine tolle Sparring-Partnerin gefunden.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Wien / Frankfurt am Main, 23. Februar 2021. Das Interview führte Laura Nordhues.

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