Dr. Anna Schwander, LL.M., im Porträt

 

"Wichtig war, während der Elternzeit Kontakt zur Kanzlei und den Kollegen zu halten."

Dr. Anna Schwander, LL.M., Partnerin bei Kirkland & Ellis, über ihren Arbeitsalltag, Kanzleiwechsel und den Wiedereinstieg nach der Geburt ihrer Kinder.

Frau Schwander, Sie sind seit 2016 Partnerin im Corporate-Team von Kirkland & Ellis. Wie sind Sie zum Gesellschaftsrecht gekommen?

Während meines Studiums und dem Referendariat habe ich viel über den Tellerrand geschaut und auch im internationalen Recht, bei der UN sowie im Bereich des Schiedsverfahrensrechts gearbeitet. Letztlich bin ich aber immer wieder zum Gesellschaftsrecht, speziell dem Aktienrecht zurückgekehrt, da dieses für mich einen sehr logischen Aufbau verkörpert und mir daher viel Spaß bringt. Meine Dissertation im Bereich des Aktienkonzernrechts sowie meine bereits aus dem Studium währende Verbindung zu Hengeler Mueller waren letzlich wegweisend und haben mich zum Gesellschaftsrecht und schlussendlich zum Kapitalmarktrecht geführt.

Wie sieht der Alltag in der Corporate-Abteilung Ihrer Sozietät üblicherweise aus? Gibt es so etwas wie „Alltag“ überhaupt?

Einen regelmäßigen Alltag gibt es selten. Das ist allerdings für mich auch der Reiz an dem Beruf. Es gibt Wochen, die von Reisetätigkeit geprägt sind, andere Wochen verbingt man eher vor Ort. Abhängig von den aktuellen Mandaten kann ein Tag darin bestehen, zahlreiche Emails im gefühlten Sekundentakt hin- und herzu schicken und an einem Conference Call nach dem anderen teilzunehmen. An anderen Tagen diskutiert man ausführlich rechtliche Fragestellungen mit den Kollegen und arbeitet intensiv an einer Sache. Manchmal entwickelt sich der Tag in eine völlig andere Richtung, als am Morgen geplant.

Vor Ihrer Verpartnerung bei Kirkland & Ellis waren Sie mehrere Jahre lang bei Hengeler Mueller als Anwältin tätig. Wie üblich sind solche Wechsel heutzutage und wie sehr werden Sie Ihrer Meinung nach in Zukunft noch zunehmen?

 

In der deutschen Kanzleiwelt sind solche Wechsel noch eher rar im Vergleich zu der US-amerikanischen Welt oder auch gemessen an den Wechseln in Großbritannien. Gleichwohl war in den letzten Jahren eine Zunahme derartiger Wechsel auch von den alteingesessenen Großkanzleien zu verzeichnen, die es früher so nicht gab. Aufgrund der kulturellen Unterschiede werden wir in Deutschland jedoch auch langfristig keine Wechselbereitschaft wie in den USA sehen.

Sie haben drei Kinder, die sie alle während Ihrer Tätigkeit als Anwältin bekommen haben, überwiegend bereits noch vor Ihrer Verpartnerung. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, Kinder während der Karrierelaufbahn zu bekommen?

Die Karrierelaufbahn von uns Anwälten ist sehr lang, weshalb es kaum möglich ist, Kinder zum "richtigen" Zeitpunkt zu bekommen oder das Kinderkriegen auf einen bestimmten Zeitpunkt hinauszuschieben. Wenn man jung ist, hat man viel mehr Energie, und steckt auch durchwachte Nächte einfacherer weg. Zudem lässt sich der Wunsch nach Familie und möglicherweise auch mehreren Kindern meist einfacher realisieren. Andererseits wechseln in Deutschland die Anwältinnen mit dem ersten Kind oft in eine Parttime-Tätigkeit, was den Nachteil hat, dass sie während dieses Zeitraumes meist weniger Arbeitserfahrungen sammeln als ihre männlichen Kollegen und sich ein nächster Karriereschritt daher oft verzögert. Es hat alles Vor- und Nachteile, weshalb es den einen richtigen Weg - vielleicht auch zum Glück - nicht gibt.

Wie lange haben Sie nach den Geburten jeweils pausiert und sind Sie danach in Teil- oder Vollzeit wieder eingestiegen?

Nach der Geburt meiner ersten Tochter habe ich fünf Monate pausiert und hatte dann die Möglichkeit, das Münchner Büro von Hengeler Mueller mit aufzubauen. Von einer Teilzeit in Form von zwei vollen Tagen bin ich letzlich bei mehr oder weniger fünf halben Tagen gelandet. Nach der Geburt meiner anderen Kinder habe ich jeweils knapp ein Jahr ausgesetzt, um danach in Teilzeit weiterzuarbeiten. Wichtig war, dass ich jedes Mal während der Elternzeit engen Kontakt zu der Kanzlei und den Kollegen gehalten habe und immer up-to-date war.

Ihr Partner lebt aufgrund seit seiner beruflichen Tätigkeit in einer anderen Stadt. Das macht die Herausforderung drei Kinder und ihre berufliche Tätigkeit miteinander zu vereinbaren sicherlich noch anspruchsvoller – Chapeau! Haben Sie jemals daran gezweifelt, dies alles zu schaffen?

Es gibt immer wieder Momente in denen ich mich frage, ob das alles so seine Richtigkeit hat. Andererseits möchte ich weder die eine noch die andere Welt missen und sehe es als ein großes Geschenk an, als Partnerin bei Kirkland & Ellis mit hochkarätigen Mandanten und Kollegen zusammenzuarbeiten und andererseits drei wunderbare Kinder zu haben, an deren Leben ich dank einer sehr flexiblen Kanzleistruktur intensiv teilhaben kann.

Bereits bei unserem ersten Treffen wurde deutlich, dass Ihnen die Unterstützung jüngerer Juristinnen sehr am Herzen liegt. Hätten Sie sich früher selbst mehr Unterstützung durch erfahrene Juristinnen gewünscht oder hat dies für Sie keine Rolle gespielt?

Ich hatte immer sehr gute Ausbilder und Mentoren, ohne die ich sicherlich nicht da wäre, wo ich jetzt bin. Dies waren selten Frauen, was für mich aber keine große Rolle gespielt hat. Einen Mentor zu haben, ist sehr wichtig, wobei es auch darauf ankommt, dass der Mentor den privaten Hintergrund kennt und versteht. Um so wichtiger ist es mir jetzt, ein Mentor für junge Juristinnen zu sein und sie darin zu ermutigen, Karriere zu machen. Unseren jungen Anwältinnen versuche ich nicht nur ein Mentor sondern auch ein Role Model zu sein, ebenso wie ich meine Role Models bei Kirkland & Ellis habe.

Welche Juristin hat Sie so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

Linda Myers, die nicht nur unsere Debt Finance Praxis in den USA leitet und Mitglied unseres globalen Management Committees ist sondern auch noch drei wunderbare Kinder hat, sich unermüdlich weltweit für junge Anwältinnen und Diversity-Themen einsetzt und es schafft, intensiv ihr Familiendasein zu leben.

Vielen Dank für das spannende Interview und dafür, dass wir Sie am 5. Juni 2018 bei unserem Event zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Großkanzlei begrüßen durften!

München, 3. Juni 2018. Dr. Schwander, LL.M., hat die Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen wurden von Nadja Harraschain erstellt.

Spannende Porträts, die Dich ebenfalls interessieren könnten:

 

Dr. Inka Hanefeld, Gründungspartnerin von Hanefeld Rechtsanwälte, über Anforderungen und Vorzüge der Selbstständigkeit sowie die in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlichen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Weiterlesen

Prof. Dr. Mareike Schmidt, LL.M., Juniorprofessorin der Universität Hamburg, über die Möglichkeit ein Leben lang zu studieren und den Mut, fachlich den eigenen Interessen nachzugehen. Weiterlesen