Carmen Schön im Porträt

"Just do it!"

Carmen Schön, Juristencoach, Managementberaterin und Autorin über Unternehmergeist, Fallen für Berufseinsteiger und richtiges Netzwerken.

Carmen, Du hast Jura und Psychologie studiert, bist inzwischen Juristencoach, Managementberaterin und Autorin. Warum arbeitest Du heute in der Beratung und hast Dich von der klassischen Juristerei abgewandt?

Ich würde eher sagen, ich habe mich etwas Neuem zugewandt. Ich war Rechtsabteilungsleiterin in verschiedenen Unternehmen, Mitgründerin eines Start-ups und diese Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Irgendwann habe ich jedoch bemerkt, dass ich gerne noch in anderen Bereichen tätig sein möchte und Lust habe, mich weiterzuentwickeln. Mich hat es sehr gereizt, mich im Bereich Sales und Business Development auszuprobieren, was dann auch sehr erfolgreich war. Reisen und insgesamt noch mehr mit Menschen zu tun zu haben war dann eine zusätzliche Triebfeder. Ich bin ein Mensch, der sehr offen und „neugierig“ ist und sich sehr gerne verändert.

Wie sieht Dein Alltag als Coach und Autorin aus?

Sehr bewegt und durchaus anspruchsvoll im Rahmen von Selbst- und Zeitmanagement. Ich muss gut mit meiner Zeit und mit meiner Work-Life-Balance umgehen, weil ich sehr viel auf Reisen bin. Für mich ist es sehr spannend, mein eigenes Geschäft zu gestalten, zu überlegen, was ich anbieten möchte, was genau mir Freude macht und wo ich meine Stärken einbringen kann und letztlich, in welchen Bereichen meine Kunden Bedarf haben.

Meistens bin ich vier bis fünf Tage in der Woche unterwegs, oft in den klassischen Städten wie Frankfurt, München, Köln, Düsseldorf und Berlin. Auch in Zürich und Wien trifft man mich häufig. Ansonsten bin ich in Hamburg, habe dort Kunden oder mache Homeoffice. Meine Laufschuhe habe ich auf Reisen immer dabei und gehe morgens immer joggen, das ist für mich Teil der besagten Work-Life-Balance.

An vielen Tagen gebe ich Tagestrainings, und häufig davor oder danach Einzelcoachings (persönlich, via Telefon oder Skype). Ich halte auch des Öfteren Vorträge vor großen Gruppen bis 150 Personen im Rahmen von in- oder externen Events. Wenn ich ein Beratungsprojekt bearbeite, sitze ich natürlich auch mal mehrere Tage am Schreibtisch, um Konzepte auszuarbeiten. Meine Tage sind oft sehr ambitioniert, ähnlich wie bei Anwälten. Mit Hin- und Rückflug sechzehn oder achtzehn Stunden unterwegs zu sein, kommt häufiger vor. Je nachdem wann ich gebracht werde, sind auch teilweise Samstage inkludiert. Aber durch meine Selbständigkeit kann ich mir aussuchen, welche Aufträge ich genau annehme.

Wie hat sich der Schritt in die Selbständigkeit für Dich gestaltet? War die Selbständigkeit von langer Hand geplant?

Ein Unternehmerherz hatte ich schon immer. Meine Eltern sind Unternehmer und ich fand es immer schon sehr spannend, etwas Eigenes aufzubauen. Außerdem spüre ich ein freiheitliches Gefühl in mir und habe Lust an unternehmerischer Verantwortung. Das war immer schon in mir. Ich habe schnell gemerkt, dass ich im Unternehmen mit der Politik zwar klarkomme, aber dass die Politik mich auf Dauer auch zermürben kann. Ich bin ein Freigeist und sehr kreativ, das passt nicht zu jeder politischen Struktur. Ich konnte im Unternehmen einfach nicht immer schnell genug meine Dinge umsetzen, wenn ich mich politisch mit anderen Themen beschäftigen musste. Trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen, ich habe meine Führungsposition sehr genossen und mir hat es viel Freude gemacht, meine Mitarbeiter*innen auszubilden.

Du hast deine Karriere als Fernsehmoderatorin in der Sendung „Wir kämpfen für Sie“ begonnen. Wie kam es dazu und warum hast Du den Job wieder aufgegeben?

 

Ich habe im Schwerpunkt Medien- und Kommunikationsrecht an der Uni Hamburg gewählt, damals bei Professor Doktor Hoffmann-Riem und während meines Studiums und Referendariats immer schon bei Film- und Fernsehproduktionen gejobbt (Hamburg 1, Polyphon etc.). Jura mit der Arbeit in einem Medienunternehmen zu verbinden war für mich eine sehr spannende Vision – Analytik und Kreativität zusammenzubringen.

Ich bin dann in ein Casting „reingerutscht“ und habe gewonnen. Aufgrund des Rechtsberatungsgesetzes brauchte man eine Anwältin. Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es war also ein bisschen Zufall, aber ich fand es spannend und wollte den Job sehr gerne übernehmen. Und die Kameraerfahrung, die ich dort sammeln konnte, hilft mir heute sehr bei Auftritten.

Ich wollte aber nach einem Jahr gerne juristisch arbeiten und habe die Sendung dann verlassen.

Du bist Gründungsmitglied der freenet.de AG und hast die Abteilung Recht- und Beteiligungsmanagement aufgebaut. Wie kann man sich Deine damalige Arbeit vorstellen?

 

Ich war zunächst Justitiarin bei der Mobilcom AG. Als die freenet.de AG gegründet wurde, war ich ab der ersten Stunde dabei und habe die Leitung der Rechtsabteilung übernommen. Die Arbeit war vielfältig: Begleitung des Börsengangs, das Aufsetzen und Prüfen von Verträgen, Gestaltung von gesellschaftsrechtlichen Verträgen, Anmeldung und Überwachung der Marken, arbeitsrechtliche Streitigkeiten und die Arbeit bei der Regulierungsbehörde. Natürlich haben wir in vielen Bereichen mit Fachanwälten*innen zusammengearbeitet. Letztlich bestand meine Aufgabe auch darin, als interner Dienstleister alle Fachabteilungen zufrieden zu stellen und die juristischen Fragestellungen im Alltag zu beantworten.

Würdest Du heute manche Entscheidungen in Bezug auf deine Karriere anders treffen?

Das ist immer schwierig im Nachhinein zu beantworten. Letztlich hatte ich immer die Wahl, verschiedene Weichen in meiner Karriere zu stellen. Und in Abwägung der damaligen Fragestellungen und meiner persönlichen Erfahrung bin ich immer den Weg gegangen, der mir der passendste erschien. Durch meine Wechselbereitschaft durfte ich sehr viele Erfahrungen machen und verschiedene Blickwinkel einnehmen – diese Erfahrung fand und finde ich immer noch sehr besonders und bin für die Möglichkeiten dankbar.

Ich würde nicht sagen, dass ich etwas verpasst habe. Und wer weiß, was noch in den nächsten Jahren kommen wird...

Als Coach und Beraterin hast Du Einblick in viele verschiedene Kanzleien und kommst mit vielen Menschen in Kontakt. Hast Du den Eindruck, dass Frauen heutzutage noch anders behandelt werden als Männer und wenn ja, wie kann Frau damit umgehen?

Ich finde es immer sehr schwer, diese Fragen pauschal zu beantworten. Viele meiner männlichen Kunden gehen mit Frauen absolut gleichberechtigt um. Aber es gibt auch immer wieder Situationen, die ich befremdlich finde. „Unterm Strich“ würde ich nicht behaupten, dass eine Gleichberechtigung erreicht ist, man muss sich nur die Anzahl der Partnerinnen in Anwaltskanzleien ansehen. Hier muss sich noch Einiges tun. Ich finde es gut und richtig, dass es Frauenförderung gibt. Aber auch die Frauen sind angehalten zu lernen, mehr zu fordern. Auf der anderen Seite finde ich es wichtig, dass Frauen und Männer in den Dialog gehen und herausfinden, wie genau ein Mehrwert für beide Seiten entstehen kann.

Hast Du Dich selbst schon in der Situation wiedergefunden als Frau anders behandelt zu werden?

Da mir noch nie ein Mann gesagt hat, dass er mich anders behandelt hat, weil ich eine Frau bin, ist es schwierig, diese Frage zu beantworten. Mein Gefühl hat mir in meinem Leben aber schon häufig signalisiert, dass die eine oder andere Situation anders gelaufen wäre, wenn ich keine Frau wäre. Letztendlich ist es aber müßig, über diese Frage nachzudenken. Ich bin gerne Frau und mache aus der jeweiligen Situation immer das Beste. Ich habe mich auch noch nie davon abhalten lassen, etwas zu tun, was ich gerne wollte, weil ich eine Frau bin.

Netzwerken wird heutzutage groß geschrieben. Wie wichtig ist Netzwerken aus Deiner Sicht und wie betreibt man es richtig? 

Netzwerken ist einer der Hauptkomponenten, um erfolgreich zu sein. Es gibt nicht die eine Netzwerk Regel. Entscheidend ist es, ein Ziel zu definieren und zu schauen, welche Netzwerke für mich die Richtigen sind. Ich sollte vorab immer überlegen, welche Menschen ich treffen möchte und wo genau ich diese treffen kann.

Was sind die größten Fallen, in die Berufseinsteiger Deiner Meinung nach treten können?

Sich nicht mit der Kultur zu befassen in die ich mich begebe. Außerdem muss man schnell die ausgesprochenen und unausgesprochenen Spielregeln verstehen und sich auf diese einlassen. Gut ist es auch immer, die Hierarchie und das System als Ganzes schnell zu verstehen. Ein weiterer Fehler ist es zu schnell zu fordern ohne selbst etwas einzubringen und kein Feedback anzunehmen. Also Fremdbilder nicht wahrzunehmen, nicht anzunehmen und sich nicht selbst kritisch zu hinterfragen.

Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

 

Es gibt viele erfolgreiche Juristinnen, die als Vorbild geeignet sind und mich auch persönlich beeindruckt haben, daher tue ich mir schwer einen konkreten Namen zu nennen.

Vielen Dank für das Gespräch und die Zeit, die Du Dir dafür genommen hast! 

Frankfurt, den 27. September 2019. Das Interview führte Franziska Härle.

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