Anna Murk, LL.M. Eur., im Porträt

„Weniger denken, mehr machen!“

Anna Murk, LL.M. Eur., selbständige Wirtschaftsjuristin, mit Tätigkeit insbesondere im rechtlichen Kommunikationsbereich und Mit-Gründerin der Online-Zeitschrift Legal Layman, darüber, was Wirtschaftsrecht ausmacht, ihren Schritt in die Selbständigkeit, wie sie mit Kritik umgeht und warum diese ein Kompliment darstellen kann.

Liebe Anna, Du arbeitest als selbständige Wirtschaftsjuristin. War dieser Beruf von vorneherein Dein Ziel?

Ich wusste in der Schule schon, dass ich einmal irgendetwas mit BWL oder Jura machen möchte. Insofern habe ich mit Wirtschaftsrecht die optimale Kombination für mich gefunden. Aber die Selbstständigkeit war definitiv nicht geplant, sondern war vielmehr Mittel zum Zweck. Ich habe einfach nirgendwo auch nur ansatzweise eine Stellenbeschreibung gefunden, in der ich meine Ideale, Stärken und Leidenschaften optimal hätte einsetzen können. Also habe ich mir meinen Traumjob einfach selbst erschaffen. Das war zwar wesentlich unbequemer, als sich das „Rundum-Sorglos-Paket“ von einem*einer Arbeitgeber*in abzuholen, aber im Nachhinein das Beste, was ich tun konnte.

Du hast zunächst Jura in Würzburg studiert und dann zu Wirtschaftsrecht gewechselt. Inwieweit unterscheidet sich die Ausbildung und der Tätigkeitsbereich einer*eines Wirtschaftsjurist*in zu dem einer*eines Volljurist*in?

Viele Volljurist*innen glauben ja, dass wir Wirtschaftsjurist*innen irgendwie nur die absoluten Basics gewisser Rechtsbereiche gelehrt bekommen und daher nicht wirklich juristisch arbeiten könnten. Das ist absoluter Quatsch! Man kann sich das in etwa so vorstellen: Wirtschaftsrecht bedeutet Priorisierung. Welche Rechtsgebiete sind in der Wirtschaft besonders relevant – und welche weniger.

Die wirtschaftlich weniger relevanten, wie z.B. Familien-, Erb- oder Verkehrsrecht, werden weggelassen. Stattdessen werden dann betriebswirtschaftliche Inhalte gelehrt, wie z.B. Bilanzierung, Controlling, Unternehmensführung, Wirtschaftspolitik, Marketing u.v.m. Trotzdem müssen wir aber natürlich die wirtschaftlich relevanten Rechtsgebiete beherrschen und juristisch arbeiten können. Unsere Professor*innen in den juristischen Fächern sind ja immerhin selbst Volljurist*innen.

Ich würde jetzt einmal schätzen, dass so ein Wirtschaftsrechtstudium sogar aus 60% Jura und aus 40% BWL besteht. Je nach Schwerpunkt und Wahlpflichtfächern kann man sich das dann natürlich noch so zusammenstellen, wie man möchte. Ich hatte mein Nervenkostüm bspw. vor Wirtschaftsprüfung und Controlling geschützt und stattdessen vermehrt juristische Fächer gewählt, wie z.B. Medizinrecht. Was ich unter anderem auch unglaublich nützlich fand, war, dass wir auch sehr viele interaktive und praxisnahe Vorlesungen hatten, wie etwa „Vertragsverhandlungen“. Da bekamen wir unsere Note dann tatsächlich auf eine fiktive, mündliche Vertragsverhandlung, die wir in einem 2er Team mit einem anderen 2er Team führen mussten.

Die Kombination aus Jura und BWL ist letztendlich ein wahrer Augenöffner. So merkt man erst einmal, wie viel auf beiden Seiten schiefläuft, was eigentlich gar nicht schieflaufen müsste. Und ich denke, genau hier liegt auch der optimale Tätigkeitsbereich für uns Wirtschaftsjurist*innen: Schnittstellen. Und die gibt es wirklich überall. Wenn man allerdings nur eine Seite kennt, fallen sie meist nicht einmal auf. Indem wir diese Schnittstellen erkennen und anschließend auch ausfüllen können, erweisen wir uns als wahre Effizienz-Wunder.

Wie wird man als Wirtschaftsjuristin auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen? Gibt es eine klassische Nische für Wirtschaftsjurist*innen?

Meistens wird man gar nicht wahrgenommen. Ich war selbst überrascht davon, wie viele Personen mir schon erzählten, ich sei die einzige Wirtschaftsjuristin, die sie kennen würden. Und die meisten wissen auch gar nicht, was wir eigentlich können oder machen – deshalb stecken sie uns fast immer irgendwo hin, wo wir gar nicht unser volles Potenzial entfalten können. Zudem werden wir noch viel zu häufig als Kompromiss anstatt als wahrer Mehrwert angesehen. Viele denken, wir seien „nichts Halbes und nichts Ganzes“, dabei verbinden wir gerade zwei Hälften zu einem Ganzen. Alle schreien immer nach wirtschaftlichen Denken, mehr Praxistauglichkeit und Effizienz, aber an Wirtschaftjurist*innen, die eigentlich genau hierfür ausgebildet werden, denkt irgendwie niemand. Hier muss deutlich mehr Sichtbarkeit und Aufklärung her.

Ich wurde beispielsweise auch schon mal von einem Volljuristen gefragt, ob wir Wirtschaftjurist*innen denn überhaupt wüssten, was der Gutachtenstil sei. Das sind solche Momente, in denen ich gar nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Umgekehrt bin ich immer wieder schockiert davon, wie wenigen Volljurist*innen es gelingt, außerhalb ihrer Box zu denken und zu argumentieren. Aber Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Optimal geeignet sind wir, wie bereits in der vorherigen Frage angesprochen, für Schnittstellen zwischen Jura und BWL. Ich möchte jetzt aber gar keine typischen Tätigkeits- oder Einsatzbereiche aufzählen, weil man sonst diese unfassbar zahlreichen Gebiete auf ein gedankliches Minimum reduzieren würde, was dem Status Quo einfach absolut nicht gerecht wird. Schnittstellen gibt es immer und überall. Und die, über die man sich bewusst ist, sind lediglich einen verschwindend geringer Teil davon.

Zusätzlich zu dem Bachelor in Wirtschaftsrecht hast Du ein Magisterstudium mit Abschluss LL.M. Eur. gemacht. Woher kam Dein Interesse für das Europarecht?

Ich sollte jetzt vermutlich irgendeine möglichst schlaue Antwort hierauf geben. Das kann ich unglücklicherweise nicht. Tatsächlich war es so, dass ich mich einfach weiterbilden wollte, der Magister ohnehin an meinem Wohnort angeboten wurde und ich gesehen hatte, dass der Schwerpunkt auf dem „europäischen Wirtschaftsrecht“ liegt. Also dachte ich mir als Wirtschaftsjuristin: „Joa, schauste dir mal an. Könnte ja passen.“ – obwohl das Europarecht alleine für mich wenig greifbar oder attraktiv war.

Aber genau diese Ausgangslage war exakt das, was dann letztendlich meine aufrichtige Begeisterung geweckt hatte. Die meisten (so wie ich anfangs eben auch) glauben ja, das EU-Recht sei etwas ganz Abstraktes, mit dem man ja ohnehin nicht in Berührung kommen würde. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Es mittlerweile echt überall und wir alle haben tagtäglich damit zu tun, auch wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind. Alltägliche Sachverhalte können teilweise in eine komplett neue Richtung gedacht, argumentiert und schlussendlich gewonnen werden, wenn man sich ein bisschen mehr mit dieser Materie auskennt. Das hatte mich total fasziniert.

Allerdings warte ich schon seit nunmehr fast einem Jahr (!) auf die Korrektur meiner Magisterarbeit, die ich über das EU-kartellrechtliche Konstrukt der „wirtschaftlichen Einheit“ für Konzerne geschrieben hatte und dabei vor allem gesellschaftsrechtliche Fragestellungen behandelte. Also meinen LL.M. Eur. habe ich leider (immer noch) nicht offiziell...

Vor etwa einem Jahr hast Du Dich selbständig gemacht. Der Schritt in die Selbständigkeit ist zumeist ein Wagnis. Ist Dir dieser Schritt leichtgefallen?

 

Anfangs kein bisschen. Ich hatte zwar schon länger daran gedacht und mit dem Gedanken gespielt, hätte es mich aber vermutlich nie getraut, wenn mir nicht im richtigen Moment die richtigen Fragen in der richtigen Reihenfolge gestellt worden wären. Und die waren:

 Was wäre das Schlimmste, das dir passieren könnte?

 Was wäre das Beste, das dir passieren könnte?

Das Schlimmste wäre gewesen, dass ich das alles total gegen die Wand fahre. Dann hätte ich es halt hingeworfen, mir einen normalen Job gesucht und wäre quasi genau da gestanden, wo ich auch ohne dieses Wagnis gestanden wäre. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich es dann zumindest versucht gehabt hätte und mir nicht ständig die „Was wäre wenn..?“- Frage hätte stellen müssen.

Und der Gedanke daran, was das Beste alles sein könnte, hatte mein Kopfkino angeworfen und mich dann wirklich schlagartig dazu gebracht, schon wenige Stunden später eine Mediendesignerin zu kontaktieren und meine Website in Angriff zu nehmen. Insofern fiel der entscheidende erste Schritt dann doch irgendwie leicht.

Wie schwierig oder einfach war es für Dich rückblickend, als Frau den Weg in die Selbständigkeit zu gehen?

Ich hatte ja keine andere Wahl, als diesen Weg als Frau zu gehen. Ich fände es falsch, an dieser Stelle nun irgendwie anzudeuten, ein Mann hätte es im Gegensatz zu mir einfacher gehabt. Ich habe mich an keiner Stelle irgendwie diskriminiert gefühlt oder so. Natürlich gab es häufiger mal ein paar Herrschaften, die meinten, ich würde das alles ganz falsch machen und sie wüssten es besser. Aber vielleicht hätten sie das einem männlichen Kollegen genauso mitgeteilt.

Ich glaube, die meisten Kämpfe, die man auf diesem Weg zu führen hat, sind diejenigen mit sich selbst. Ich hatte mir z.B. schon sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie ich als Frau auftreten möchte bzw. sollte: Nicht zu nahbar, nicht zu kühl. Nicht zu freundlich, nicht zu unfreundlich. Nicht zu locker, nicht zu spießig. Nicht zu gut aussehen, aber bitte auch nicht zu schlecht. Nicht zu viel Meinung haben, aber auch nicht zu wenig.

Egal wie man (bzw. „frau“) es macht, es gibt immer für alles einen negativ besetzten Begriff. Mit einer extremen Eigenschaft kommt man bei vielen nicht gut an. Mit gar keiner extremen Eigenschaft kommt man bei vielen gar nicht an.

Also kam ich zu dem Entschluss, dass es ohnehin nichts nützt, alles zu durchdenken. Wer etwas an dir aussetzen will, der*die findet auch was – egal was du tust oder wie du es tust. Da kann man die Dinge auch einfach gleich so machen, wie man sie selbst für richtig und für wichtig hält.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag in der Selbständigkeit aus?

Viel unspektakulärer, als es viele wohl annehmen würden. Ich stehe morgens so gegen 07:00 Uhr auf und habe schon gegen 07:01 Uhr meine kreativste Phase. Ich setze mich dann meist direkt an meinen Schreibtisch im HomeOffice und kann wirklich sehr produktiv arbeiten. Wenn meine Berner Sennenhündin „Sola“ dann irgendwann gegen 08:30 Uhr auch mal wach wird, versuche ich, einigermaßen fit auszusehen und mit ihr Gassi zu gehen. Von ca. von 10:00 Uhr – 14:00 Uhr plane ich meistens meine Telefonate und Besprechungen. Danach und dazwischen wird dann noch alles gemacht, was eben so ansteht: Projekte, Präsentationen, Artikel, Podcasts usw. Einen wirklichen „Feierabend“ gibt es aber nicht. Ich ertappe mich selbst sogar immer wieder dabei, wie ich abends nach 22:00 Uhr noch irgendwelche beruflichen E-Mails oder Nachrichten in LinkedIn, Instagram etc. beantworte. Ich denke mir dann einfach „gemacht ist gemacht“. Noch geht das, aber ich glaube auf lange Sicht ist diese Art Dauerbereitschaft nicht wirklich gesund.

Schaut man sich Deine Homepage oder Deine Internettauftritte in sozialen Netzwerken an, stellt man fest, dass Du Dich hinsichtlich Deines allgemeinen Auftretens vom üblichen Auftritt einer Unternehmerin mit juristischem Hintergrund oder auch der klassischen Juristin unterscheidest. Wie wird Dein Auftreten wahrgenommen?

Ich möchte bewusst nahbar und menschlich wirken. Davon schrumpft ja das Gehirn nicht. Zudem muss man zwei Dinge voneinander trennen: persönlich und privat. Man kann gewissen Themen konstant einen „persönlichen Touch“ verleihen, ohne aber gleichzeitig erzählen zu müssen, mit wem man gerade im Restaurant sitzt, wie die eigene Kindheit abgelaufen ist oder wie das Liebesleben aussieht. Ich zeige mich persönlich, ja. Aber nicht privat.

 

Manche mögen natürlich selbst das Preisgeben von etwas Persönlichkeit als höchst unprofessionell abstempeln – aber man kann auch mit einer nahbareren Art professionell arbeiten. Und ich habe damit ehrlich gesagt bisher überwiegend gute Erfahrungen damit gemacht. Viele Aufträge erhalte ich, gerade weil ich eben nicht die „klassische“ Juristin darstelle. Und ich werde auch sooo häufig von Jurastudent*innen und Jurist*innen angeschrieben, die mir sagen, dass sie auch gerne viel mehr aus sich herauskommen würden, sich allerdings nicht trauen und ich genauso weitermachen soll, weil man mehr „Vorbilder“ bräuchte. Es ist aber gar nicht meine Absicht, ein Vorbild zu sein. Ich mache das alles nur, weil ich mich damit am wohlsten fühle und auch glaube, dass es mehr Alternativen zu juristischen Stereotypen geben muss.

Dein Motto ist "Lieber einige begeistern, als möglichst vielen zu gefallen." Eine meinungsstarke Frau hat es in der Gesellschaft nicht immer leicht. Siehst Du Dich häufig Kritik ausgesetzt und wie gehst Du ggfls. damit um?

Seltsamerweise war ich ganz am Anfang deutlich häufiger negativer Kritik ausgesetzt, als heute. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Vielleicht fällt sie mir einfach nicht mehr so auf, die Leute haben sich an mich gewöhnt oder sie trauen sich nicht mehr, mir das zu sagen? So oder so. Kritik gibt’s immer, egal was man tut oder wie man es tut. Möchte man mit aller Gewalt vermeiden, negativ aufzufallen, darf man gar nicht auffallen. Und bei dieser Lösung bevorzuge ich dann doch das Problem.

Und ja, mittlerweile habe ich in der Tat einen Weg für mich entdeckt, ziemlich gut mit Kritik umgehen zu können. Erst einmal sollte man sich fragen, WER oder WAS denn eigentlich gerade kritisiert wird:

Du als Mensch oder etwas, das du gesagt, getan oder geleistet hast?

In 99% der Fälle ist es Letzteres. Diese Differenzierung hilft schon einmal enorm dabei, sich das alles nicht so zu Herzen und nicht so persönlich zu nehmen. Dadurch gewinnt man emotional etwas Abstand und kann sich anschließend rationaler überlegen, ob man vielleicht etwas Nützliches aus dieser Kritik ziehen könnte.

Und man sollte sich (wenn möglich) auch ansehen, WER da eigentlich kritisiert. Meistens sind das Personen, die ohnehin ganz anders ticken als man selbst und Dinge so tun, wie man sie ohnehin nie tun wollen würde. Und dann ist diese Kritik eigentlich ein Kompliment, denn indem man sich von ihnen unterscheidet, macht man ja alles richtig.

Du bist zudem Gründerin des Online-Magazins LEGAL LAYMAN. Wie kam es zur Gründung?

Ich hatte mich schon immer mit der Vereinfachung und anwenderorientierten Kommunikation von Recht befasst. Aber dann kam noch die Coronakrise hinzu, in der ja irgendwie plötzlich jeder zu Hobbyjurist*innen mutiert ist. Ich hatte mal wieder irgendwelche Schwachsinns-Kommentare in Social Media zu rechtlichen Themen gelesen und habe dann zur Beruhigung das Putzen angefangen (ja, das entspannt mich). Und dann traf mich die Idee, juristische Themen auch mal einfach und verständlich für die Gesellschaft zu erklären, wie ein Blitzschlag. Ich warf meinen Putzlappen zur Seite und recherchierte sofort, ob es sowas schon gibt. Aber nein. Das schockierte mich regelrecht. Und da ich ein Mensch bin, der nicht gerne darauf wartet und solange meckert, bis andere irgendetwas erledigen, dachte ich mir „Ja scheiße, Anna. Musst du halt selbst ran.“ 10 Minuten nach meiner Blitzidee hatte ich dann schon den Namen und weitere 10 Minuten war Justin Völkel schon mit im Boot. Und dann ging alles irgendwie ganz schnell... Wir dachten anfangs, dass das vielleicht 200-300 Leute lesen werden und sind daher auch mit einer gewissen „Leichtigkeit“ an die Sache ran. Niemals hätten wir damit gerechnet, dass das etwas anders ablaufen wird. Im Nachhinein war das aber gut so, denn hätten wir vorher gewusst, auf welche Aufmerksamkeit das stoßen wird, hätten wir uns vermutlich niemals getraut, das in dieser Form aufzuziehen, wie wir es getan haben – aber genau das macht uns nun aus.

Denkst Du, dass eine selbständige Tätigkeit wie die Deine mit Kindern vereinbar wäre?

Da ich keine habe, würde ich mir niemals anmaßen, zu behaupten, dass es funktionieren würde! Ich habe jedoch so eine Grundsatzeinstellung, dass man mit seinen Aufgaben wächst und wenn man etwas wirklich will, es auch immer irgendwie hinbekommt. Daher würde ich mal wirklich total naiv „ja“ sagen, wobei ich eigentlich nicht wirklich mitsprechen kann.

Welchen Rat würdest Du jungen Jurist*innen mitgeben, die nicht in einem der klassischen Juraberufe arbeiten möchten und sich vielmehr mit einer innovativen Idee selbstverwirklichen wollen, sich aber nicht trauen?

Ich würde ihnen die gleichen 2 Fragen stellen, die ich gestellt bekommen habe:

Was wäre das Schlimmste, das dir passieren könnte?

Was wäre das Beste, das dir passieren könnte?

Risiken, Sorgen und Ängste bestehen immer. Die werden (zumindest bei mir) auch niemals vollkommen verschwinden. Was aber viel, viel wichtiger ist, ist der Gedanke an die Chancen. Die helfen einem, es einfach trotz aller Bedenken zu tun – und auch dabei, immer und immer wieder dranzubleiben?

Und: Weniger denken, mehr machen. Ich vergleiche das immer gerne mit einer Autofahrt. Angenommen, man möchte von A nach B fahren... Stellt man sich da zuhause die ganze Strecke bildlich vor, überlegt sich, wo überall was passieren könnte und wie man das dann bewältigen würde? Nein. Man weiß, wo man hinfahren möchte, gibt das Ziel vielleicht noch in sein Navi ein, das einem den groben Weg dorthin vorgibt, setzt sich ins Auto und fährt einfach los. Man sieht niemals die ganze Strecke vor sich, sondern immer nur die nächsten paar Meter. Aber das reicht auch völlig, um dem Ziel immer näherzukommen und schließlich auch dort anzukommen – auch wenn man dazu vielleicht mal einen Umweg nehmen musste oder im Stau stand. Das ist als Unternehmer*in nicht anders. Aber man muss losfahren!

Gibt es einen Rat, den Du zu Anfang Deiner Karriere gut gebrauchen hättest können?

"Deine Talente sind dort, wo dir Dinge leicht fallen.“ und „Du kannst dir selbst vertrauen."

Die hätte ich wirklich gebraucht. Besonders mit den Talenten ist das immer so eine Sache. Die fallen einem selbst meist gar nicht auf, eben weil sie einem so leicht fallen. „Das soll ein Talent sein?! Das kann doch jeder!?!“ – Nein!

Und ich hätte auch gerne früher schon gewusst, dass ich mir selbst so viel mehr vertrauen kann, als ich es für möglich gehalten hatte. Aber Vertrauen hat auch das Wörtchen „Trauen“ in sich. Man muss sich selbst gewissermaßen einen kleinen Vertrauensvorschuss geben und sich einfach mal trauen, Dinge zu machen. Meistens ist das dann auch viel besser, als man selbst dachte. Und so kommt mit dem Trauen auch immer mehr (Selbst-) Vertrauen.

 

​​​Welche Juristin hat Dich so inspiriert, dass sie als Vorbild für breaking.through nominiert werden sollte? Wieso?

Ich finde Jana Borodichin der absolute Wahnsinn! Sie ist Fachanwältin für Familien- und Verkehrsrecht und einfach ein so unglaublich kompetenter und gleichzeitig warmherziger und starker Mensch. Zudem ist sie eine der authentischsten Personen, die ich kenne. Und ich finde auch Irina Shafir super!

Vielen Dank für deine Offenheit und die Zeit, die Du Dir genommen hast!

Würzburg, 26. Januar 2021. Anna Murk hat die Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen stellte Karen Kelat. Herzlichen Dank an Dr. Stefanie Schweizer für die Unterstützung bei der Erstellung des Fragenkataloges!

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